Der Ort
Das Areal um den Bahnhof Dresden Mitte ist seit dem Kriegsende eine Stadtbrache. Durch die mangelnde Attraktivität und die unzurechende Erschließung des Bahnhofs Mitte wird die Stadt zerschnitten. Der Bahnhof bildet somit eine Barriere im Zentrum der Stadt und schneidet die Friedrichstadt von der Altstadt ab. Die morphologischen, historisch gewachsenen Strukturen des Stadtgefüges zerfallen, der Ort wird zum Unort. Verstärkt wurde diese Entwicklung durch den sozialistischen Städtebau der Nachkriegszeit.

Entwurfskonzept
Der Bahnhof Mitte beinhaltet mit seiner städtisch zentralen Lage ein enormes Entwicklungspotential. Dies soll durch ein neues Nutzungskonzept erreicht werden, welches über den reinen Betriebsablauf der Bahn hinausgeht. Der stadträumliche Mangel wird im Bahnhofsbereich aufgelöst. Die Beziehungen zwischen Friedrichstadt und der „Kernstadt – Dresden Mitte“ werden wieder hergestellt. Der Bahnhof übernimmt seine historische Aufgabe als integrales Verbindungsglied.
In die Gesamtkonzeption integriert sich der große Bahnhofplatz; er bildet eine Plattform für urbanes Leben im Bahnhofsbereich.
Stadtplastisch erscheint der Bahnhof in neuem / altem Bild, mit einer filigranen, metallischen Struktur wird er überspannt, die ihn mit einer neuen Signalwirkung ausstattet.Der Gegensatz von alt und neu ist bewusst thematisiertes Architekturprinzip. Die Leichtigkeit des Neuen, die übermächtige Masse des Alten, das Spiel von Textur, Fläche und Raum erzeugen eine neue Gesamtkomposition.
Große Lichtöffnungen über den Bahnsteigen mit unterschiedlicher Lichtintensität ermöglichen weitestgehend eine natürliche Belichtung und erzeugen angenehme Aufenthaltsqualitäten, der Bahnhof wird stadträumlich wieder erlebbar, er wird Orientierungspunkt in der Stadt.

Maßnahmen
Aktivierung der räumlichen Struktur unter den Bahnbögen durch Öffnen der zugemauerten Bögen. Reduktion der alten Konstruktionsflächen. Durch Eingriffe in die bestehende Gebäudesubstanz wird eine Erhöhung der vermietbaren Fläche erzielt, Ein-, Aus- und Durchblicke werden ermöglicht, eine natürliche Belichtung und Belüftung erreicht und eine marktstrategische Nutzung der „Einmaligkeit des Ortes“ gegeben.

Organisation / Erschließung
Der ursprüngliche Hauptzugang von der Könneritzstraße aus bleibt erhalten. In Verlängerung der diagonalen Straßenverbindung der Seminarstraße zur Laurinstraße wird der Bahndamm geöffnet und erhält zusätzliche Eingänge. Weitere neue Eingänge werden von der Platzseite und von der Jahnstraße aus vorgesehen. Durch die Möglichkeiten, den Bahnhof von unterschiedlichen Situationen aus zu erschließen, wird er aktives Bindeglied im städtischen Kontext.
Die Vermarktungsflächen liegen im Schnittpunkt aller (Fuß-)Wegebeziehungen. Die konstruktiv stark vom Bestand geprägte Baustruktur erhält zwei innere „Boulevards“. Von hier aus werden die einzelnen Läden und die Bahnsteige erschlossen. Die inneren Boulevards werden mit Tageslicht durch das „eingesteckte neue Strukturelement“ belichtet und belüftet. Eine Versorgung mit Kunstlicht ist punktuell erforderlich, ggf. können die Lichtverhältnisse auch durch einfache Lichtumlenkung unterstützt werden.
Die Bahnsteige werden über vier tagesbelichtete großzügige Treppen erschlossen, welche durch die Ausrichtung die Orientierung und die Übersichtlichkeit gewährleisten.

WBW Bahnhof Dresden Mitte

Auftraggeber

DB AG - Personenbahnhöfe
Frankfurt am Main

Adresse

Dresden
Deutschland

Bearbeitungszeitraum

Januar 1996