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Überdachung neuer ZOB Esslingen

 

Zitat aus der Auslobung

„Ein weiteres Spezifikum dieses Ortes ist seine Öffnung in den Land­schafts­­raum nach Süden auf das Panorama des Zollbergs. Die Entspre­chung im Nor­­den ist der perspektivische, zoomartige Blick auf den Weinberg der hier aus­lau­fenden Neckarhalde. Beide Aspekte müssen auch künftig erlebbar (sicht­bar) bleiben".

 

Adresse in der Stadt - Definition des Ortes

Die konsequente Umsetzung dieser Vorgabe definiert die Höhenlage des neu­en Daches. Sie gibt den Blick auf die umgebende landschaftliche Silhouette frei und ermöglicht gleichzeitig die Realisierung einer präg­nanten geome­tri­schen Grundform für die Dachkonstruktion.

Die Verlängerung von Sicht- und Straßenachsen definieren die Konturen der Dachgeometrie und entsprechen so dem Wunsch nach intuitiver Wege­füh­rung.

Das Konstruk­tions­­prinzip des Neuen polarisiert im bewußten Wider­spruch zum Vor­handenen den Dialog zwischen dem denk­­malgeschützten Bahn­hof, der Stadt­­­er­weite­rung Esslingens des 19. Jahrhunderts und das neu zu defi­nie­ren­de Charak­terprofil dieses öffent­lichen Ortes.

Das Dach reagiert respektvoll auf das Bahnhofsgebäude, indem er in seiner Wir­­kung nicht bedrängt und beein­trächtigt wird. Alle Fassaden bleiben un­ver­baut. Der Bahnhof wird durch seine Freistellung im Stadtraum inszeniert und dadurch in seiner Wirkung ver­stärkt.

Der Abstand zu den flankierenden Gebäuden, die Höhenlage und der filigrane äußere Rand der Dachkonstruktion prägen die Identität der neu definierten Adresse in der Stadt.

 

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Die Überdachung des ZOB übernimmt diese Aufgabe und fügt alle beteiligten Elemente subtil zu einem Ort mit sichtbarer, stadtbildprägender Aus­strahlung, der neuen „Visitenkarte" Esslingens.

Konstruktion / Materialität / Anmutung im städtischen Kontext

Klarheit, Präzision, Leichtigkeit und ein tiefes Verständnis für die verwen­de­ten Materialien ermöglichen die Vision der entmaterialisierten Konstruktion. Es ent­­­­­steht eine elegante Membrankonstruktion mit minimaler Tragkonstruk­tion bei maximaler Transparenz.

 

 

 

Im wirtschaftlichen Vergleich zu anderen Produkten kostet das Foliendach inkl. Tragwerk ca. bis zu 40 % weniger als ein vergleichbares Glasdach.

 

Super leichte, transparente ETFE- Folienkissen füllen die freien, regel­mäßi­gen, polygonal aus­­­gelegten Felder der Tragkonstruktion. Die konstruktive Logik führt zu bo­genartig ausformulierten Nebenträgern. Durch die wech­seln­den Spann­weiten wird die Überhöhung in den einzelnen Feldern modu­liert und gleich­zeitig die Entwässerung sichergestellt.

 

Die Aussteifung der Konstruktion erfolgt über eingespannte Stützen. Die Pri­märstruktur des Tragwerks ist als dreiecksförmiger Kastenträger aus­gelegt. Der „Obergurt" ist im Gefälle liegend vertieft im Querschnitt eingear­beitet.

Im oben offenen Kastenträger wird das Nieder­schlags­wasser gesam­melt und an die Stützen mit integrierter Fall­lei­tungs­funk­tion weitergeleitet.

 

Gleichzeitig sind in diesem Bereich die Haltekonstruktionen und die Luftver­sor­­gung der zweilagigen Folienkissen unter­ge­bracht. Die einzelnen Folienlagen eines Kissens sind am Rand miteinander ver­schweißt und über Randkeder mit einem Aluminiumklemmprofil auf der Tragkonstruktion befestigt. Die Kissen werden mit Luft gefüllt, um die zur Lastabtragung benötigte pneumatische Vor­­spannung zu erreichen und die einzelnen Folienlagen zu stabilisieren.

Die Abstände der Unterkonstruktion generieren wirtschaftliche Spannweiten der pneu­­matisch gestützten Konstruktion.

 

In die zweilagigen Kissen sind flexible PV-Module eingearbeitet, um eine solare Energieernte abzuschöpfen.

 

ETFE- Folien werden aus einem äußerst stabilen Fluorpolymerkunststoff her­gestellt. Sie besitzen eine ausge­sprochen gute antiadhäsive Oberfläche. Da­durch sind die Folien kaum schmutz­­anfällig und lassen sich sehr gut reinigen. Der größte Schmutzanteil wird bereits durch Regenwasser abgespült.

 

Die ETFE- Kissens­truk­tu­ren werden verlaufsartig durch farbwechsel­ba­re RGB- Leuchten­pro­file mit Hochleistungs- LED hinterleuchtet. Diese Profile werden wartungs­freund­lich entlang der integrierten Wartungsstege positioniert.

Die Ober­flächenbedruckung der ETFE- Kissen reflektiert das seitlich einge­kop­­pelte Licht.

 

 

 

 

 

Die filigrane Transparenz, die Wechselwirkungen zwischen Licht und Schat­ten, das leichte Zusammenspiel von Mate­ria­lien, die scheinbar schweben, thema­tisieren die Wahrnehmung des eleganten Flächentragwerks.

Ein sich permanent ver­änderndes Lichtspiel in Abhängigkeit von der Tages­zeit sorgt für ständig wechselnde visu­elle Erleb­nisse und prägt die Anmu­tung des neuen "poetischen Stadtraumes".

 

Stadtmobiliar - „halbarchitektonische Elemente"

Aufgereihte Stelen überziehen in linearer Anordnung das Wettbewerbs­ge­biet. Auf dem vorgelagerten Platz säumen sie passepartoutartig die Platz­ränder und filtern die Zonen des Übergangs.

Diese Stelen bilden als Grundmodul das Leitsystem zum schnellen Auffinden der Nutzungsangebote. Je nach Beanspruchung sind sie Informationsträger für das Fahrgastinformationssystem, Grundelement für die Sicherheits- und für die atmosphärische Beleuchtung der ZOB- Bahnsteige und des Platzes.

Im oberen Bereich der Stele sind an den schmalen Seiten Lichtköpfe mit asym­­metrischer Lichtverteilung integriert. Die Lichtköpfe sind mit energie­effi­zi­enten Halogen-Metalldampflampen guter Farbwiedergabe ausgestattet.

Die Stelen dienen damit nicht nur als Werbe- und Informationsträger, sondern leuchten auch den Busbahnhofbereich sowie den Vorplatz aus.

Entlang der Fleischmannstraße bilden die Stelen das kon­struk­tives Grund­ele­ment der Überdachung der Wartebereiche


WBW Überdachung neuer ZOB Esslingen

Auslober

Stadt Esslingen am Neckar
vertreten durch Oberbürgermeister Dr. Jürgen Zieger

Betreuung und Abwicklung des Verfahrens:
Ursula Tink, Freie Stadtplanerin, Esslingen am Neckar
Obertorstraße 19, 73728 Esslingen am Neckar

Adresse

Esslingen
Deutschland

Beginn

März 2010